Düfte spielten schon in der Antike eine bedeutende Rolle: In Ägypten und Indien galten sie als Quelle der „Inspiration“ (inspirieren = einatmen). Hier wurden Duftmischungen aus Harzen wie Weihrauch oder Myrrhe verbrannt, um die Götter zu besänftigen. Aus dieser Zeit stammt auch schon das Wort „Parfum“ – aus dem lateinischen „per fumum“, was „durch den Rauch“ bedeutet. Durch neue Techniken wie die Extraktion von Blüten mit Ölen und Fetten, konnten bald auch parfümierte Salben oder Seifen hergestellt werden.
Heute wie damals verwendet man Parfums, um zu gefallen – doch heute sind es nicht mehr die Götter, deren Aufmerksamkeit man erregen möchte, sondern die Mitmenschen. Düfte heben die Stimmung, wecken Phantasien und spielen mit unseren Sinnen. Die heutige Variantenvielfalt auf dem Markt bietet für jeden den passenden Duft – egal ob spritzig-frisch, blumig-lieblich oder orientalisch.

Was steckt im Flakon? – Der Aufbau von Parfums

Parfums haben hochkomplexe Strukturen: Ein Duftöl, das Herz eines Parfums, besteht aus gelösten ätherischen Ölen pflanzlicher oder tierischer Herkunft sowie synthetisch hergestellten Riechstoffen. Etwa 30 bis 80 verschiedene Essenzen werden alleine für eine Parfumkomposition kombiniert. Ein Parfum besteht zu etwa 80 % aus Alkohol, dazu kommt destilliertes Wasser und je nach Qualität eine gewisse Konzentration an Duftöl. Doch egal wie hoch die Qualität oder die Anzahl der eingesetzten Riechstoffe ist – der Aufbau fast aller Düfte folgt demselben Grundmuster: Die Komposition der Duftnoten in Kopf-, Herz- und Basisnote spielt dabei die entscheidende Rolle. Die Kopfnote – oft mit leichten, fruchtigen oder frisch-grünen Noten – wird zuerst wahrgenommen, verfliegt jedoch bereits nach ca. 10 Minuten. Anschließend kommt die Herznote zum Vorschein. Sie schafft einen harmonischen Übergang von der Kopfnote hin zur Basisnote. Die Basisnote ist besonders lang haltbar und bildet den Charakter des Duftes. Sie enthält die am wenigsten flüchtigen Bestandteile.Anders sind allerdings die Parfums nach dem „amerikanischen Stil“ aufgebaut: Hier gibt es im Idealfall keinen Unterschied zwischen diesen drei Phasen, das Parfum bleibt seinem Charakter treu – vom Aufsprühen bis zum Abklingen. Amerikanisches Parfum haftet auch länger auf der Haut als das klassisch „französische“ und meist enthält es floral-orientalische Noten.

Abhängig von der Konzentration an Parfumölen werden folgende Parfum-Qualitäten unterschieden: Ein Eau de Cologne enthält am meisten Alkohol und am wenigstens Parfumöl, nämlich nur 3 bis 5%. Ein Eau de Toilette enthält schon zwischen 4 und 8%, ein Eau de Parfum 8 bis 15%. Die höchste Qualität hat das reine „Parfum“, auch „Extrait“ genannt, es enthält bis zu 30% Duftöle.

Doch woraus bestehen diese Duftöle? Rein natürliche Parfums gibt es heute kaum mehr – in den meisten Düften setzt sich heute das Parfumöl sowohl aus natürlichen Essenzen als auch synthetischen Duftmolekülen zusammen, die im Labor entstanden sind. Dazu Bernhard Kott, Corporate Communications Manager bei Symrise: „Moderne Düfte für die Feinparfümerie sind immer eine Mischung aus Naturprodukten und synthetischen Stoffen. Der Anteil kann schon variieren – von 50/50 bis 70/30 oder auch bei sehr hochpreisigen Produkten 80/20. Es ist so, dass bei günstigen Feinparfümerieprodukten der Anteil an teuren Naturstoffen tendenziell eher geringer ist.“

Natürliche Rohstoffe – teuer und selten?
Die hohen Preise der natürlichen Rohstoffe sind ein Grund für die Preise der Parfums: Bei vielen Verfahren sind große Mengen an Rohstoffen, z.B. Blüten, notwendig, um eine geringe Menge an Duftessenz herzustellen. Für einen Liter Lavendelöl braucht man ca. 130 kg Lavendelblüten, für ein Kilogramm Rosenöl benötigt man sogar 3 bis 5 Tonnen Rosenblüten! Daher ist das Rosenöl aus der bulgarischen Damascena-Rose mit bis zu 7000 € pro kg auch so teuer: In jedem Tropfen steckt der Duft von ca. 30 Rosen!
 

Gewinnung von Rosenöl durch Wasserdampf-Destillation

Die Rosenblüten werden sehr früh morgens von Hand geerntet, da dann der Gehalt an ätherischem Öl am höchsten ist. Sie werden einzeln abgeschnitten und in Weidenkörben gleich zur Weiterverarbeitung gebracht. Bei der Destillation der Blüttenblätter werden Wasserdampf und Wasser durch die Pflanzenteile geleitet, was den Blüten die ätherischen Öle entzieht. Da sich das Öl nicht mit dem Wasser mischt, kann man es leicht abtrennen (z. B. mit dem so genannten Scheidetrichter). 
Die Preise für Blütenöle von höchster Qualität und auch für tierische Duftstoffe sind in den letzten Jahren stark gestiegen (was aber nicht bedeutet, dass nicht auch synthetische Duftstoffe sehr teuer sein können). Für ein Kilo Lavendelöl zahlt man heute zwischen 100 und 150 Euro. Vor einigen Jahrzehnten lag der Preis für ein kg Sandelholz-Essenz noch bei unter 50 DM, heute zahlt man dafür zwischen 1500 Euro und 2000 Euro. Legale Sandelholz-Ware gibt es kaum noch, da es in Indien fast keine Santalbäume mehr gibt, die sich für die Herstellung des Duftstoffes eignen. Aus diesem Grund wird heute in den meisten Fällen auf natürliches Sandelholz verzichtet.Der derzeit teuerste Rohstoff ist natürliches Ambra – ein Gewebe aus dem Magen-Darm-Bereich des Pottwals, der dieses natürlich ausscheidet. Man findet es am Strand oder auf offener See. Ambra ist seit langem ein beliebter Duftstoff in der Parfumherstellung. Heute wird er jedoch meistens synthetisch reproduziert.
Die meisten Riechstoffe können heute in größeren Mengen synthetisch hergestellt werden und sind daher relativ kostengünstig. Dabei sind synthetische Duftstoffe nicht schlechter als natürliche – für einen Parfumeur sind sie alle gleich wertvoll. Dazu Bernhard Kott: „Synthese ist nicht gleichbedeutend ist mit günstigeren Inhaltsstoffen. Synthetische Produkte werden auch eingesetzt, um völlig neuartige Geruchseindrücke zu vermitteln. Es kommt immer auf eine kreative Kombination von Natur und Synthese an, um neuartige Geruchserlebnisse zu schaffen.“

Die komplexe Essenz der Natur: Ätherische Öle
Ätherische Öle sind flüchtige Substanzen, die nicht fetten. Ihre Dichte ist geringer als die Dichte von Wasser, sie lassen sich darin auch nicht auflösen. Stattdessen werden sie für die Parfumherstellung in Alkohol aufgelöst. Ein ätherisches Öl kann aus über fünfzig analysierbaren Einzelsubstanzen bestehen. Aus diesem Grund riechen natürliche Aromen häufig komplexer. Nur ein Prozent der uns heute bekannten Pflanzen enthält überhaupt ätherische Öle. Diese können aus allen Teilen der Pflanzen gewonnen werden: aus Blüten, Knospen, Rinden, Blättern, Zweigen, Wurzeln, Samen, Nadeln oder Früchten. Ein Beispiel für einen multiplen Duftstoff-Lieferanten ist der Orangenbaum: Seine Blüten liefern Neroliöl, aus den Zweigen und Blättern wird Petitgrainöl gewonnen und aus den Fruchtschalen erhält man Orangenöl.

Natürliche Essenzen haben gegenüber den synthetischen den Vorteil, dass sie tiefer und komplexer sind. Doch manche Düfte können gar nicht natürlich hergestellt wurden. Erst durch die Chemie gelingt es, Aromen wie Meeresbrise, Schokolade oder selbst Mailglöckchen herzustellen.

Kreative Wohlgerüche aus dem Labor: Synthetische Duftstoffe
Die ersten synthetischen Duftstoffe in Parfums gab es bereits 1868. Einer der Hauptgründe dafür waren die hohen Kosten der natürlichen ätherischen Öle und die Ernteschwankungen, die es bis heute von Jahr zu Jahr gibt.

Tierische Inhaltsstoffe wie Zibet – das Sekret aus den Analdrüsen der Zibetkatze – oder Moschus – das Sekret aus einer Bauchdrüse des Moschushirsches – sind aus Tierschutzgründen in natürlicher Form verboten und werden seit langem synthetisch hergestellt. Auch das teure Ambra ist in den meisten Düften in einer synthetischen Variante enthalten.

Das Moschusöl der asiatischen Moschus-Hirsche würde auch gar nicht mehr ausreichen, um den weltweiten Bedarf an der sehr beliebten und lang anhaltenden Duftnote zu decken. Bei der Entwicklung von synthetischen Inhaltsstoffen beschäftigt sich die Industrie sehr stark mit einer guten biologischen Abbaubarkeit, so dass keine negativen Nachhaltigkeitsaspekte auftreten“, erläutert Bernhard Kott. „Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass einige natürliche Inhaltsstoffe allergische Reaktionen auf der Haut hervorrufen können. Das ist bei synthetisch hergestellten Produkten nicht der Fall.“

Einer der ersten, heute noch bekannten Düfte mit synthetischen Aromen ist Jicky von Guerlain. Hierfür wurden künstliches Vanillin und Coumarin mit natürlichen Essenzen kombiniert. Auch Chanel N°5 (1921 lanciert) wäre ohne seinen synthetischen Aldehyd-Mix nicht der Klassiker geworden, der uns bis heute fasziniert.

Im Durchschnitt sind synthetische Düfte günstiger als natürliche, doch auch hier gibt es Ausnahmen, wie zum Beispiel Hedione® (Preis: ca. 70 €/kg) oder Iso E Super® (Preis: ca. 100 €/kg).

Wenn die Natur nicht mehr weiter weiß: Naturidentische Riechstoffe
Manche Aromen lassen sich auf natürlichem Wege gar nicht gewinnen. So konnte bis heute der Duft von Maiglöckchen oder Freesien nicht natürlich hergestellt werden. Oft ist es auch so, dass die Essenzen von Pflanzen nicht so herrlich riechen, wie die Pflanzen selbst. Selbst Rosenöl hat nicht den lieblichen Duft, den man im Garten an frischen Blüten erschnuppert. In solchen Fällen greift die Parfumindustrie auf Verfahren wie „Headspace“ zurück. Bei dieser Technik wird die Luft, die die Blüte umgibt, analysiert und deren Geruch nachgebaut.

 

Natürliche Düfte – gibt es so etwas heutzutage überhaupt noch?
Hersteller von Naturkosmetik möchten natürlich keine synthetischen Duftstoffe in ihren Parfums verwenden, genauso wenig wie künstliche Konservierungsstoffe und Fixative. Dazu Daniela Lindner, Mitgleid der Geschäftsleitung bei Annemarie Börlind, über die Entwicklung ihres Eau de Toilettes „Sunset Flavour“:Unser Parfümöl ist eine Komposition aus natürlichen ätherischen Ölen wie Orangenöl und Bergamottöl sowie naturidentischen Riechstoffen. Ich erkläre den Unterschied anhand eines Beispiels: Die Herznote riecht nach Freesie. Freesienöl kommt jedoch in der Natur nicht vor. Die Freesien-Note erreicht man durch Linalool – ein Molekül, das in Lavendelöl enthalten ist. Linalool hat ein natürliches Vorbild, dennoch wird das Molekül aus Nachhaltigkeitsgründen nicht aus Lavendelöl extrahiert, sondern nachgestellt.“

Problematische Duftstoffe mit Allergiepotential
Auch natürliche, ätherische Öle können bei unsachgemäßer Anwendung gesundheitliche Risiken in sich bergen. So darf z.B. Zitronen- oder Bergamotte-Öl nicht bei starker Sonneneinstrahlung verwendet werden, da es sonst auf der Haut zu bräunlichen Flecken und Hautreaktionen kommen kann. Die IFRA (International Fragrance Association) hat eine Liste mit bedenklichen Inhaltsstoffen erstellt, die gegen andere oder synthetische Riechstoffe ausgetauscht werden sollten. Dazu gehören zum Beispiel Eichenmoos oder Zitrusöle.

Quelle: beautypress.de